Jana Seelig – bei Internetmenschen auch oder sogar besser bekannt als Jenna Shotgun – hat ein Buch geschrieben. Ihr Debütroman Minusgefühle, der im vergangenen Jahr erschienen ist, ist das Resultat einer Diskussion über Depressionen, die mit dem Hashtag #NotJustSad bei Twitter Ihren Anfang gefunden hatte. Das Thema ist heikel, wird gerne totgeschwiegen und eine richtige öffentliche Wahrnehmung dieser Erkrankung oftmals nicht vorhanden.

Herausgekommen ist dabei dieses Buch. Eine Art Erfahrungsbericht, wenn man das überhaupt so nennen kann. Schonungslos, ungeschönt. Jana schreibt über ihr Leben und ihre Depressionen. Das ist manchmal unerwartet komisch, in vielen Momenten hatte ich beim Lesen aber auch mit den Tränen zu kämpfen. (Absolute Empfehlung von meiner Seite also!)

Fünf Fragen hatten wir deshalb für Jana vorbereitet und das ist dabei rausgekommen:

Kim: Seit Minusgefühle erhältlich ist, habe ich den Eindruck, dass es im Netz, aber auch generell noch einmal viel Support für dich als Person und für deinen Roman gab. Wie fühlt sich das gerade an, wie hat sich dein Leben nach der Veröffentlichung verändert?

Jana: Viel hat sich für mich eigentlich nicht geändert. Ich war im ganzen letzten Jahr viel in Sachen Aufklärung über Depressionen unterwegs, was eine echte Herausforderung war, aber ich hab’ mich gut damit arrangiert. Neu ist nur, dass ich jetzt auch Lesungen mache, also wirklich sehr persönlich an den Menschen, vor denen ich spreche, dran bin. Und natürlich, dass ich in Buchhandlungen regelmäßig über mein eigenes Werk stolpere! Das ist ein krasses Gefühl, unbeschreiblich! Insgesamt geht’s mir gerade sehr gut, aber das liegt vor allem daran, dass ich mit mir selbst gerade sehr okay bin.

Kim: Oh, das freut mich! Einige Kritiker*innen haben sich ja im Vorfeld der Veröffentlichung von Minusgefühle nicht nur einen Einblick in das Leben einer depressiven Person gewünscht, sondern vor allem auch einen Weg, wie sie selbst Depressive besser verstehen können. Was bedeutet, was ist Minusgefühle für dich?

Jana: Für mich ganz persönlich war das Schreiben von Minusgefühle eine Art Therapie. Ich habe ganz bewusst sehr unreflektiert über meine Erkrankung geschrieben und die Situationen so dargestellt, wie sie waren, inklusive aller Fehler, die begangen wurden – sowohl von mir als auch von anderen. Dabei habe ich festgestellt, dass ich heute ein ganzes Stück weiter bin in meinem Umgang mit Depressionen, aber auch in meinem Umgang mit meinen Mitmenschen. Ich habe mich beim Schreiben ein ganzes Stück weit selbst begriffen und ich hoffe natürlich, dass gerade diese Unreflektiertheit, die das Buch mit sich bringt, zum Nachdenken anregt und anderen Menschen hilft, sich selbst besser zu verstehen. Ich habe ganz bewusst keinen Ratgeber veröffentlicht (das steht mir in meiner Position als Betroffene auch gar nicht zu), sondern ein Werk, aus dem sich jeder – ob nun selbst von Depressionen betroffen oder nicht – selbst das ziehen soll, was sieer in der eigenen Situation für sinnvoll hält.

5 Fragen an... Jana Seelig 3

Kim: Würdest du – im Nachhinein – beim öffentlichen Umgang mit (deinen) Depressionen noch einmal denselben Weg gehen?

Jana: Das ist schwer zu beantworten. Es gibt Tage – so wie heute – an denen ich total glücklich darüber bin, wie alles gekommen ist. Und dann gibt es Tage, an denen ich mich einfach nur zurückziehen will. Ständig über Depressionen sprechen (zu müssen) kann sehr anstrengend sein, aber ich bin froh, dass ich die Chance bekommen habe, Aufklärungsarbeit leisten zu dürfen!

Kim: Ich kann mir vorstellen, dass 2015 ziemlich viel verändert hat. Was wünschst du dir oder planst du für das gar nicht mehr ganz so neue Jahr?

Jana: Ich hoffe natürlich, dass es so gut weiter geht wie das letzte Jahr. Ich habe ein paar größere berufliche Pläne, aber eigentlich hab ich mir für 2016 vorgenommen, endlich wieder mehr Zeit für meine Freunde und Hobbys zu haben. Und mal wieder richtig Urlaub zu machen, am liebsten in Alaska! Ich liebe meine Jobs, aber 2015 haben sie viel Zeit gefressen.

Kim: Zu guter Letzt eine Frage von Twittermensch zu Twittermensch – was hat das eigentlich mit den Haien auf sich?

Jana: Ich habe seit ich denken kann panische Angst vor Haien. Eine Zeitlang konnte ich nicht mal Fotos von Haien ansehen, ohne dabei losweinen zu müssen. Und gerade im Internet sind Haie überall! Also habe ich vor einiger Zeit angefangen, mich dieser Phobie zu stellen, indem ich mich ganz langsam von Haicomics über Haikuscheltiere bis hin zu Haidokumentationen vorgearbeitet habe. Ich finde diese Tiere sehr faszinierend und auf ihre eigene Art auch sehr schön. An meiner Angst hat das leider nur sehr wenig geändert. Ich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zu Haien. Ich bin süchtig nach allem, das mit ihnen zu tun hat, und dennoch möchte ich niemals einem begegnen. Nicht mal hinter einer Glaswand im Zoo!

Danke für das Interview, liebe Jana! <3

Falls ihr wiederum Minusgefühle immer noch nicht gelesen habt und jetzt neugierig geworden seid, solltet ihr das schnellstens nachholen. Der Roman ist am 5. Oktober 2015 im Piper Verlag erschienen und im Buchladen eures Vertrauens oder hier erhältlich.

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