Manuel Möglich reist gerne. Allerdings läuft es bei ihm in der Regel nicht auf einen Pauschalurlaub auf Ibiza hinaus, es verschlägt ihn eher in Ecken, von denen wir eigentlich lieber gar nichts wissen möchten, wenn er nicht gerade auf den Spuren der Vergangenheit verschiedener Prominente wie etwa Heinz Strunk oder Dolly Buster ist oder sich auf Weltreise begibt, um herauszufinden, was die Menschen eigentlich so über Deutschland denken. Letzteres gibt es nicht nur als Reportagereihe namens Deutschland von außen in der Mediathek vom ZDFneo zu sehen, sondern nun auch als Buch, welches Manuel Möglich schrieb und Ende Februar unter dem Rowohlt Verlag veröffentlicht wurde.

Mit Deutschland überall begibt er sich nun auf eine neue Reise, eine Lesereise, in der er Menschen in ganz Deutschland erzählt, was Menschen in anderen Ländern über Deutschland denken. Macht Sinn, oder? Finden wir auch und genau deswegen wollen wir mit unserem Interview, welches wir mit Manuel führen durften, auch nicht länger hinterm Berg halten.

Sandra: Für Dein Format WILD GERMANY hast Du ja unter anderem mit Pädophilen, Bugchasern oder Satanisten zu tun gehabt, dich mit ihnen getroffen und Dir deren Geschichten angehört. Wie schwer ist es da noch tolerant zu bleiben? Und was war für Dich die Begegnung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Manuel: In den meisten Fällen war das gar nicht so ein großes Problem. Es entwickelte sich bis zum Ende vieler schwieriger Drehs oft ein Verständnis dafür, weshalb die Leute eben dieses oder jenes eben machen. Aber natürlich gab es auch absolut grenzwertige Begegnungen, die mir sehr viel abverlangt haben. Ich denke da vor allem an einen Protagonisten aus der Reportage „Pädophilie“. Während des Interviews ging mir häufiger durch den Kopf das Gespräch zu beenden und einfach zu gehen.

Wir haben 24 Wild Germany Reportagen produziert, mindestens ein Dutzend Treffen sind mir da in besonderer Erinnerung geblieben: Ob mit dem heutigen IS-Terroristen und Ex-Rapper Denis Cuspert oder einem Mann, der sich freiwillig seine Beine zerstörte um in den Rollstuhl zu müssen und so Glückseeligkeit fand – die Liste mit speziellen Erinnerungen jeglicher Art ist tatsächlich so lang, sie würde den Rahmen sprengen.

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Sandra: Der ZDF ist ja jetzt nicht unbedingt für seine anstößigen Inhalte bekannt und dennoch scheinen keine Grenzen gesetzt worden zu sein, was die Themenwahl für WILD GERMANY angeht. Oder gibt es ein Thema, was dem Sender letztendlich vielleicht doch zu krass war oder etwas, was Euch selbst zu weit gegangen wäre?

Manuel: Nur wenige. Wir hätten gerne eine etwas andere Sendung über Sodomie/Zoophilie gemacht, die der Sender ablehnte. Allerdings weniger wegen des Themas, sondern vielmehr deshalb, weil es darüber schon einige gute Reportagen gab. Als Team entschieden wir uns gegen eine Geschichte über aktive Sterbehilfe, weil wir nicht mit jemandem anfangen wollten zu drehen, der am Ende des Films stirbt. Andere Themen, wie z. B. Hells Angels sind sehr schnell geplatzt, da sie sich unmöglich in dieser Formatform umsetzen ließen.

Sandra: Dein neuestes Format nach „Heimwärts mit…“ ist ja die vierteilige Reportage-Reihe „Deutschland von außen“. Was bringt man denn mit den Deutschen noch so in Verbindung, außer Hitler, Ernsthaftigkeit und Pünktlichkeit? Und was denkst Du persönlich über Deutschland?

Manuel: Ohne Klischees bedienen zu wollen: Auch die Unsicherheit in Sachen Nationalstolz. Und Helene Fischer. Auf diese Frage könnte man eine Antwort in Form eines eigenen Buches liefern. Ein paar Ansätze findet man in meinem auch zwischen den Zeilen, kann man da also nachlesen.

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Bild: © ZDF / Jasper Engel

Sandra: Nun ist Dein Buch Deutschland überall erhältlich, was vielleicht auch der nächste logische Schritt für deine Ansammlung an Geschichten aus Deinen bisherigen Sendungen war. Was wird den Leser auf den 288 Seiten erwarten und magst Du vielleicht ein bisschen was daraus zitieren?

Manuel: Dazu muss ich kurz ergänzen: Die Idee für dieses Buch entstand schon während Wild Germany, also noch eine Weile bevor es die beiden anderen TV-Reihen in ZDFneo gab. Da ich vor den Sachen fürs TV beim Radio war und parallel für diverse Magazine und Fanzines geschrieben habe, lag es mir sehr am Herzen, irgendwann mal ein Buch anzugehen. Deutschland und abseitige Geschichten sind vielleicht auch meine Themen, da wäre vielleicht eine Parallel zwischen Wild Germany und Deutschland überall.

Der Leser bekommt in dem Buch ein bisschen Kolonialgeschichte, ganz viel subjektive Reisereportage, Gonzo-Journalismus und ein paar Abenteuererlebnisse, die man wohl nur auf einer Weltreise macht. Um es ganz kurz mit den Worten von Jan Böhmermann zu sagen: „Dieses Buch spendet Erkenntnis und spart einen Haufen Reisekosten.“

Sandra: Was steht denn in diesem Jahr bei Dir sonst noch so an?

Manuel: Erstmal eine recht große Lesetour. Ich zeige dann auch Bilder, Videos und erzähle Storys. Insgesamt sind es knapp 40 Termine in ganz Deutschland. Außerdem arbeite ich an einer neuen Sache – vielleicht wird das irgendwann mal ein neues Buch. Oder eine Doku, die nicht nur 30 Minuten läuft, sondern Stoff für einen längeren Film liefert. Und wer weiß, vielleicht gibt es dann sogar auch mal wieder etwas von mir im TV oder Internet.

Danke Dir für das tolle Interview, Manuel!

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Deutschland überall (288 Seiten) ist beim Rowohlt Verlag erschienen und ist ab sofort im Handel oder auch hier erhältlich.

Wer sich das Buch gerne von Manuel Möglich vorlesen lassen möchte und zudem auch  noch ein paar Geschichten aus Wild Germany anhören möchte, der sollte sich unbedingt die folgenden Lesetermine vormerken:

14.03. Leipzig, Neues Rathaus
07.04. Berlin, Fahmini
10.04. Freiburg, Schmitz Katze
11.04. Köln, Gloria Theater
13.04. Frankfurt, Brotfabrik
15.04. Würzburg, Kellerperle
18.04. Darmstadt, Centralstation
20.04. Münster, Pension Schmidt

weitere Termine findet ihr hier.

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