„Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich glaube ja fast, dass die meisten Geschichten in Kinderbüchern erstunken und erlogen sind.“ Dieser Meinung ist jedenfalls Yeye Weller. Mit Die Finger an den Füßenfertigte der Illustrator im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der FH Münster ein „Buch über Kindheit für Menschen im besten Alter“ an und sahnte damit zu recht den Preis für die „Beste Bachelorarbeit“ des Fachbereichs ab.

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Auf jeder Seite seines Erstlingswerkes schlüpft Yeye in eine andere Rolle und schaut sich die Welt aus einer anderen Perspektive an: Als Jürgen Janowitz verkloppt er einen Mitschüler aus der 3b oder sinniert als Moni aus Hagen über die besten Berufe der Welt. Die knüpft in ihrer Freizeit nämlich den Stoff, aus dem Träume sind.

Die 90 Seiten sind eine Explosion fürs Auge. Keine gleicht der anderen. Yeye Weller liebt es knallebunt, digital und grafisch. Alle Texte sind in Kindersprache geschrieben und in einer Krakelschrift zu Papier gebracht, die man sonst nur Drittklässlern zutraut. Sehr gut gemacht, Boris.

Und weil ich so ein großer Fan des Buches bin, mir allerdings so viele Fragen unter den Nägeln brannten, lud ich Yeye kurzerhand zum Sit-In, um ihm auf den Zahn zu fühlen.


0001 Alex: Yeye, erzähl uns doch mal was über dich selbst, deine Arbeit, „Die Finger an den Füßen“ und was du sonst noch unbedingt schon einmal loswerden wolltest.

Yeye: Ooooh Gott, geht ja gut los… also ich bin Yeye Weller, ein Illustrator aus Münster. Ich mag Fußball und esse am liebsten Eintöpfe. Ich lebe an der Hammer Straße und arbeite in meinem Atelier am Hawerkamp. Im Sommer habe ich meinen Bachelor an der FH Münster gemacht. „Die Finger an den Füßen“ ist ein illustriertes Buch über die Kindheit. Im Prinzip geht es darin um Alltäglichkeiten. Kleine Anekdoten über Träume, Enttäuschungen, Freunde und schlechte Witze. Mich hat das klassische Kinderbuch mit seinen Heldengeschichten und einsamen Prinzessinnen nie wirklich interessiert. Dieses Buch ist meine Hommage an die Belanglosigkeiten.

Alex: Wenn du für einen Tag eine Superheldenfähigkeit haben könntest, welche wäre das und warum?

Yeye: Als Kind wollte ich immer wie Schimanski sein. Der hatte zwar keine Superkräfte, war aber trotzdem sehr stark und hat jeden verprügelt. Heutzutage wäre ich am liebsten unsichtbar. Ich frage mich immer, ob man als Unsichtbarer gleichzeitig auch geräuschlos ist, ansonsten wäre unsichtbar sein ziemlich schwach. Wenn man aber auch nicht zu hören ist, sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt. Ich würde Geld besorgen, Leute verarschen und heimlich Gesprächen lauschen.

Alex: Jürgen Janowitz verkloppt seinen Mitschüler aus der 3b – warst du zu Schulzeiten auch ein Lehrerschreck?

Yeye: Angeblich schon. Aber nicht son harter Hund wie Jürgen Janowitz. Kloppen gehörte natürlich ab und zu mal zur Tagesordnung, aber eigentlich war ich immer für die dummen Sprüche zuständig. Letzte Reihe, egal ob Bus oder Klassenraum, war Ehrensache.

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Alex: Wenn du einen fiktiven historischen Charakter treffen könntest, wer wäre das und warum?

Yeye: Spontan und trotz des ganzen Hypes sag ich Sherlock Holmes. Einfach weil er einer der Derbsten ist. Stilvoll, redegewandt und raffiniert. Außerdem liebe ich das Stadtbild um die Jahundertwende und man stelle sich vor: Dr. Watson, Sherlock und Ich rauchen Pfeife in der Baker Street und heizen mit der Droschke von Fall zu Fall. Das hätte schon was.

Alex: Mit welchem Charakter aus „Die Finger an den Füssen“ kannst du dich am besten identifizieren?

Yeye: Mit den beiden „Kaffeesatz“ Jungs. Billo-Humor ist genau mein Ding. Auch wenn das kein Otto-Witz ist, könnte er locker als einer durchgehen. Als Kind verbrachte ich zwar die meisten Nachmittage aufm Bolzplatz, doch wenn ich mal nicht am Bolzer war, vertrieb ich mir die Zeit damit, mir selbst Otto-Witze zu erzählen. Das war mit Abstand die beste Zeit, nochmal Hut ab vor Otto, Bernd Eilert, Robert Gernhardt und Peter Knorr (Autoren von Otto).

Alex: Wie und wann entstand die Idee zu „Die Finger an den Füßen“?

Yeye: Das Buch ist meine Bachelorarbeit aus dem Sommer 2015. Die Idee dazu trug ich aber schon ewig mit mir herum. Ich habe immer ein kleines Heftchen dabei, in das ich Ideen, Witzigkeiten und manchmal auch nur einzelne Wörter, die mir gefallen, schreibe. An guten Tagen enstehen daraus dann kleine Geschichten und an richtig guten Tagen hab ich sogar Bock, auch die passenden Bilder zu den Geschichten zu malen.

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Alex: Was willst du deinen Lesern mit „Die Finger an den Füßen“ mit auf den Weg geben?

Yeye: Nichts. Mein Arbeitstitel für das Buch lautete: Prädikat-pädagogisch wertlos. Kein Zeigefinger, kein Happyend und keine Moral. Mich interessiert das Alltägliche, nicht das Besondere. Oppa Herne sagt immer: „Die besten Geschichten liegen auf der Straße, die Meisten sind nur zu faul sie aufzuheben.“

Alex: Wie sehen deine Pläne für die nahe Zukunft aus? Dürfen wir uns auf weitere Bücher über Kindheit für Menschen im besten Alter freuen?

Yeye: Mit Sicherheit. Ich weiß nur nicht wann. Die meisten Geschichten dafür sind bereits geschrieben, Böcke habe ich auch schon wieder, aber am Ende auch wirklich anzufangen, ist dann doch immer noch ein anderes Thema. Bis dahin wird es aber ein paar kleine Heftchen für nen schmale Euro geben, mit den üblichen Spitzengags und bunten oder weniger bunten Bildern.

Alex: Sonst noch was?

Yeye: Der Link of Change: www.facebook.com/yeyeweller/

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Danke für das Interview, Boris! <3

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