Hallo Wochenende! Eigentlich wollte ich euch den folgenden Filmtipp schon vor einer Woche schreiben, allerdings scheint die Zeit gerade nur so davon zu rennen. Gefühlt stand ich gestern noch im verschneiten Stockholm und überhaupt: Wo kommen auf einmal die ganzen Blumen her? Apropos Stockholm. Im letzten Post hatte ich ja bereits vom Tempo Documentary Festival berichtet. In dessen Programm lief auch eine deutsche Produktion, die am 30. März in den hiesigen Kinos angelaufen ist: Gaza Surf Club.

Die Dokumentation — yes, I have this thing with documentaries lately — wurde jedoch nicht nur in Stockholm, dessen Dokumentarfilmfestival im internationalen Vergleich ja doch etwas kleiner ist, gezeigt. Vom International Film Festival in Toronto bis zum Surf Film Festival in Hawaii ist Gaza Surf Club gereist und positiv aufgenommen worden. Als ich gelesen hatte, dass der Film vom WDR koproduziert wurde, war ich dann doch etwas überrascht. Es scheint zwar mittlerweile jeder zweite Student Surfen als Hobby adaptiert zu haben, aber dass das öffentlich-rechtliche Rundfunk Surffilme fördert, hätte ich eher nicht gedacht.

„Die Bilder dieser jungen Surfer haben mich tief berührt, weil sie sich so deutlich von dem unterscheiden, was wir in der westlichen Welt gewohnt sind zu sehen, wenn wir an Gaza denken. Und allein das war es wert, ihre Geschichte zu erzählen.“

(Philip Gnadt, Regisseur)

Gaza Surf Club

Gaza Surf Club: Freiheit in den Wellen

Nüchtern betrachtet ist Gaza Surf Club allerdings auch kein klassischer Surffilm. Gaza, Gaza… Gaza! Ja, was war das noch gleich? Kurzer Exkurs: Der Gazastreifen ist Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete und steht unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde bzw. des Staates Palästina. Seit ihrem Wahlsieg 2006 bzw. dem Kampf um Gaza 2007 kontrolliert die radikal-islamistische Hamas das 360 Quadratkilometer große Küstengebiet. Seine Außengrenzen werden überwiegend durch den israelischen Staat kontrolliert und seine knapp zwei Millionen Einwohner leben weitestgehend isoliert.

Rund um den Strand der Stadt Gaza hat sich in den letzten Jahren eine kleine Surf-Community gebildet, die versucht, auf den Wellen ihres kleinen, abgeschotteten Landes die Freiheit zu finden, die ihnen der Alltag verwehrt. Dass das alles andere als einfach ist, wird bereits daran deutlich, dass es dort nicht einmal Surfbretter zu kaufen gibt. Regisseur Philip Gnadt wurde 2012 durch eine Fotostrecke auf die Surfer im Gazastreifen aufmerksam und begann zu recherchieren. Herausgekommen ist dabei am Ende diese Dokumentation, die es sich eben nicht zum Ziel gesetzt hat, Politik zu zeigen oder zu bewerten. Dass die jedoch immer eine Rolle im Leben der Surfer spielt, liegt jedoch ebenfalls auf der Hand.

„Gaza wäre nichts, ohne den Strand.“

Da ist zum Beispiel der 42-jährige Abu Jayab, der sein ganzes Leben in der Region verbracht hat. Er erzählt, wie die Kinder und Jugendlichen vor 25 Jahren auf allem surften, das irgendwie nutzbar war. Das waren dann auch mal Teile von Schränken oder Tischen. Der 23-jährige Ibrahim träumt dagegen von einem „richtigen“ Gaza Surf Club und einer besseren Zukunft. Doch nicht nur Männer trotzen den Widrigkeiten ihres täglichen Lebens in Gaza: Die 15-jährige Sabah hat Surfen schon als Kind gelernt und musste ihre große Leidenschaft als Jugendliche aufgeben. Surfen passt halt nicht in die Vorstellung der idealen Frau — zumindest, wenn es nach der Hamas geht. Aufgeben ist aber auch für sie keine Option.

Gaza Surf Club

Gaza Surf Club
(Bildmaterial: © farbfilm verleih / Little Bridge Pictures)

Liebe Leute, auch wenn Gaza Surf Club, wie ich zu meinem Bedauern feststellen musste, in nur wenigen Kinos gezeigt wird: Seht ihn euch an! Filme übers Coldwater Surfing sind schließlich schon längst ein alter Hut. Davon ab hat es noch niemandem geschadet, mehr als nur die durchschnittliche Berichterstattung über Konfliktgebiete zu betrachten.

Habt ein tolles Wochenende, Peeps! ♡