Innen Leben (© Weltkino)

Viel zu lange gab es von meiner Seite aus keine Filmempfehlung und der Grund war nicht einmal, dass es keine Filme gibt, die in Frage gekommen wären. Nein, das Gegenteil ist der Fall. Bei dem großen Angebot bin ich in den vergangenen Wochen des Filmeschauens ein wenig überdrüssig geworden. Die Beschreibung zu Innen Leben war die erste seit einiger Zeit, die mich wirklich gepackt hat, aber dazu an späterer Stelle mehr. Ich glaube, ich muss erst einmal ein paar generelle Dinge erklären. Dann wird vielleicht auch klar, warum es hier so lange keinen Freitagspost von mir gab.

Netflix, Amazon Prime & Co.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe das Internet und seine schier unendliche Auswahl in allen Bereichen. Ein Leben mit analogen Semesterapparaten und Ausflügen zur Videothek könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen. Andererseits bin ich auch ein bisschen dankbar dafür, dass es noch keine Youtube-Schminktutorials gab, als ich 14 war. Was ich jedoch in letzter Zeit immer häufiger feststellen musste, war, dass dieser Überfluss an allem auch ganz schön nerven kann. Meine frühere Lieblingsapp Instagram ist mittlerweile so überfrachtet und unübersichtlich, dass ich, mit Ausnahme der Stories, die man ja doch eher „schnell dahinrotzt“, kaum noch dort aktiv bin. Überall die gleichen Gesichter, Posen, Produkte. Darüber haben natürlich bereits etliche Blogger geschrieben, die App soll hier nur als Beispiel dienen, weil es sich bei mir und Filmen (und Serien!) ähnlich verhält.

Ich bin durch und durch Internetmensch und bin Fan audiovisueller Erzählformen, seit ich denken kann. Seit (viel zu) langer Zeit studiere ich Medienwissenschaft und durfte Filme auch aus ganz anderen Perspektiven kennenlernen. Und jetzt? Das aktuelle Kinoprogramm? Keine Ahnung, wie das aussieht. Ich weiß ja nicht einmal, was ganz neu bei Netflix zu sehen ist. Dieses riesige Angebot und die Tatsache, dass ich echt Probleme dabei habe, mich zu entscheiden bzw. die richtigen Filter anzusetzen, haben dafür gesorgt, dass ich erst recht lieber ein Buch in die Hand nehme. Weniger Ablenkung, weniger Überforderung. Jetzt, wo ich mal einige Wochen „auf Entzug“ war, macht mir Film auch langsam wieder Spaß — die Zeiten, in denen ich acht oder mehr Serien auf einmal schaue, sind jedoch endgültig vorbei.

Innen Leben (© Weltkino)
Bildmaterial: © Weltkino

Innen Leben: Kammerspiel im Krieg

Vor fast einem Jahr hatte ich euch ans Herz gelegt, Seefeuer zu schauen — ein Film über Flucht, aber auch über Hoffnung. Innen Leben passt zum Thema, ist allerdings das genaue Gegenteil. Was tun Menschen, die nicht vor dem Krieg fliehen, sondern beschließen zu bleiben? Der belgische Regisseur Philippe Van Leeuw beschäftigt sich genau mit dieser Frage in seinem neusten Spielfilm. Bei der vergangenen Berlinale gewann er den Publikumspreis und viele Rollen sind mit Schauspielern aus Syrien besetzt, gedreht wurde im Libanon. (Diese kleine Land mit gerade einmal sechs Millionen Einwohnern hat übrigens etwa eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen.)

Oum Yazan (Hiam Abbass) harrt mit dem Schwiegervater, ihren drei Kindern Yara, Aliya und Yazan und der Haushaltshilfe Delhani (Juliette Navis) in ihrer Wohnung eines Mehrfamilienhauses aus. Außerdem gewährt sie dem jungen Paar aus der zerstörten Nachbarswohnung und deren Baby sowie Yaras Freund Karim Unterschlupf in ihrem Heim. Die Wasserversorgung ist zusammengebrochen und jeder Gang nach draußen gefährlich. Strom, Internet und Telefon funktionieren nur zeitweise, während draußen Explosionen und Maschinengewehre die Geräuschkulisse bestimmen. Niemand kommt heraus, niemand so leicht hinein. Während in einige Mitglieder dieser willkürlichen Gemeinschaft ihre Flucht planen, wollen andere um jeden Preis bleiben. Alle Zeichen stehen auf Veränderung, die nicht unbedingt nur Gutes verheißt.

An dieser Stelle möchte ich wie immer nicht zu viel verraten; den Rest solltet ihr im Kino erfahren! Eindrucksvoll ist auf jeden Fall die schauspielerische Leistung aller Beteiligten. Die Beengtheit der Wohnung wird für den Zuschauer quasi greifbar, auch wenn hier sicherlich nicht das Kammerspiel neu erfunden wird. Von meiner Seite aus gibt es dennoch eine klare Empfehlung. Mehr Kino für alle! ♡

 

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