In meinem Studium gab es so einige Momente, die ich im abgedunkelten Hörsaal oder Seminarraum verbracht habe und dachte: Warum zur Hölle kennst du diesen Film noch nicht? Meinen heutigen Filmvorschlag habe ich in einer solchen Situation entdecken dürfen. Sonst hätte ich tatsächlich was verpasst.

Cidade de Deus (oder City of God) ist ein brasilianischer Film aus dem Jahre 2002. Wie sein Titel bereits andeutet, beschäftigt er sich – und das auf ziemlich eindringliche Art – mit dem Leben und Treiben in einer der lange Zeit berüchtigsten Stadtteile Rio de Janeiros – der Cidade de Deus. Die Handlung, die in den 1960ern beginnt und sich über etwa 20 Jahre erstreckt, wird aus der Sicht von Buscapé (siehe oben) erzählt, der in dieser auf dem Reißbrett geschaffenen Siedlung aufwächst und anders als seine Freunde aus Kindheitstagen versucht, dieses Leben hinter sich zu lassen. Drogen und Gewalt dominieren den Alltag in der Cidade de Deus – anstatt der Vorliebe für Schusswaffen entdeckt Buscapé jedoch das Fotografien für sich. Während er also Fotos schießt, schießen die anderen Protagonisten auf Menschen – ihr glaubt gar nicht, wie mich diese Analogie verzückt hat. Seltsame Filmwissenschaftler halt.

(Bildmaterial: © César Charlone)
(Bildmaterial: © César Charlone)

Ich könnte tatsächlich stundenlang über den Inhalt von Cidade de Deus schreiben, dieser ist allerdings ziemlich komplex und ich verrate dann entweder wirklich zu viel oder nur so wenig, dass man gar nichts damit anfangen ist. Immerhin geht es um 20 Jahre – und eben nicht nur um Buscapé, sondern auch um die Biografien einiger anderer Kinder dieses Viertels.

Regisseur Fernando Meirelles hat dabei die gleichnamige Buchvorlage von Paulo Lins, der ebenso wie die meisten Darsteller selbst in den Armenvierteln rund um Rio de Janeiro aufgewachsen ist, sehr eindrucksvoll umgesetzt. Gedreht wurde in der „echten“ Cidade de Deus jedoch nicht, das Viertel war zu gefährlich. An den sozialen Verhältnissen hat sich dort bis heute nicht viel verändert, jedoch hat massiver Polizeieinsatz zumindest dafür gesorgt, die Kriminalitätsrate zu senken.

Der Trailer ist zwar portugiesisch, kommt aber – meiner Meinung nach – viel eher an die Art und Weise der Inszenierung, wie sie auch tatsächlich im Film umgesetzt wird, heran als die englischen – auch wenn die Qualität jetzt nicht unbedingt die beste ist. In der deutschen Synchronisation wird Buscapé übrigens von Xavier Naidoo gesprochen, deshalb würde ich so oder so empfehlen, den Film im Originalton mit Untertiteln zu schauen.

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