Meine Leidenschaft für Gaming und Videospiele kommt nicht von ungefähr und wurde mir genau genommen schon in die Wiege gelegt. Schon als Kind tüftelte ich zusammen mit meiner spieleaffinen Mutter an scheinbar unlösbaren Adventures herum. Drehte an virtuellen Zahnrädern, stellte Hebel um und erfreute mich immer an neuen Ausgaben der Gold Games Sammelkollektionen (kennt die jemand noch?) um in die Welten von Baphomets Fluch oder Monkey Island einzutauchen, während mein Vater schon am Hochfahren des Computers zu verzweifeln drohte. Vielleicht übertreibe ich da etwas, sorry Papa! Aber ausdrücken möchte ich damit eigentlich, dass ich Videospiele nie mit einer Männerdomäne in Verbindung gebracht habe.

Erst später wurde mir bewusst, dass ich mit meiner Liebe zu Videospielen als Mädchen größtenteils alleine bin. So kam es mir zumindest vor, mein damaliger Freundeskreis konnte damit überhaupt nichts anfangen und auch später, als ich mich mit der Szene weiter beschäftigt habe, waren es doch größtenteils Männer, die in dieser Branche am längeren Hebel saßen.

Anita Sarkeesian und Sexismus in der Gaming-Szene


Dass sich nicht alle Frauen, oder natürlich auch Männer, für Games begeistern können ist die eine Sache. Der Hass gegenüber anderen weiblichen Mitspielern, jedoch eine andere. Ich habe letztens den Vortrag von Suzie Grime und Elliott Tender auf der TINCON 2017 in Berlin auf Youtube gesehen und bin dabei auf die amerikanische Feministin Anita Sarkeesian aufmerksam geworden, die stereotype Frauenbilder in Videospielen auf ihrem Youtube-Kanal feministfrequency analysierte.

Zum Beispiel die hilflose Jungfrau, den sexy Handlanger oder, in Sarkeesians Worten, das „Fighting Fuck Toy“. Auch ich würde die Feststellungen von Anita Sarkeesian sofort unterschreiben. Immerhin turnte Actionheldin Lara Croft in der Tomb Raider-Reihe den größten Teil ihrer mittlerweile 20-jährigen Karriere als großbrüstiges Sexsymbol in Hotpants durch antike Grabstätten, bevor sie im Jahr 2013 einem Makeover unterzogen wurde und nun mehr als jemals zuvor als starke, ernstzunehmenden Protagonistin wahrgenommen wird.

Trotzdem wurde Anita Sarkeesian nach der Äußerung dieser Kritik im Anschluss wochenlang beleidigt. Bekam Morddrohungen und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, wurde auch noch ein Computerspiel namens „Beat Up Anita Sarkeesian“ und dem dazugehörigen Untertitel „Schlag die Schlampe“ entwickelt, welches dazu einlud, die amerikanische Bloggerin per Mausklick zu vermöbeln. Für einen Platz im Highscore, versteht sich.

Games have a huge impact on our society because the media plays a role in helping to shape our attitudes. So it’s not just fantasy.

(Anita Sarkeesian)

Aber auch im Jahr 2017 wird immer wieder klar, wie ungerne doch manche Männer die Steuerknüppel aus der Hand geben wollen. Es kommt nicht selten vor, dass Frauen bei Besuchen von Spielemessen, wie beispielsweise der Fachmesse E3 in Los Angeles oder auch auf der GamesCom, belächelt oder schlicht nicht gerne gesehen sind (wenn sie nicht gerade in kurzen Höschen am Stand arbeiten, ist klar). Das ist leider die traurige Wahrheit, die sich auch bei Online-Spielen immer wieder bemerkbar macht, sobald das Geschlecht hinter dem Nicknamen identifiziert wird.

Die neue Girlpower in Videospielen

Trotz der großen Baustellen, die heutzutage leider noch lange nicht vom Tisch sind, kann man definitiv positive Veränderungen feststellen. Und zwar bei den Spiele-Entwicklern, die letztendlich auch am längeren Hebel sitzen.

Spiele wie Life Is Strange, Beyond: Two Souls oder auch zuletzt das erfolgreiche Game Horizon Zero Dawn sind großartige Beispiele für Besetzungen mit starken Frauen in der Hauptrolle, die keinesfalls in die Kategorie „Mädchenspiele“ fallen. Und auch FIFA hat die Frauenmannschaften mit ins Programm aufgenommen. Ein lange überfälliger, aber dafür ein großer Schritt nach vorne.

Weibliche Heldinnen im Vormarsch – warum nicht gleich so?

Man könnte dieses Thema an dieser Stelle natürlich noch viel weiter ausführen. Argumente, Statistiken und Beobachtungen in der Gaming-Szene gibt es dafür nur zur Genüge. Fest steht: Es bleibt definitiv spannend, vor uns liegt in Sachen Gleichberechtigung noch ein gutes Stück Arbeit vor uns. Und ich wünsche mir von den Entwicklern mehr Engagement, damit die von ihnen erschaffene Szene irgendwann fair und verständnisvoll miteinander umgeht. Schließlich sprechen wir hier von einem Milliardengeschäft.

Abschließen möchte ich diesen Artikel aber viel lieber mit meinen persönlichen Videospiel-Heldinnen, die mir besonders in positiver Erinnerung geblieben sind. Und das nicht wegen ihrer Körbchengröße. Außerdem hat sich Unicum ebenfalls dem Thema in einem äußerst lesenswerten Artikel angenommen: KLICK.

Die 10 besten weiblichen Protagonistinnen oder Sidekicks in Videospielen:

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