Für einen Großteil unserer Crew ging es am vergangenen Wochenende mit dem Bus von Münster aus auf eine kulturelle Kaffeefahrt ins malerische Tecklenburg. Dort gab es jedoch weder Kaffee noch Kaltschaummatratzen bzw. Knüpfteppiche, sondern ein vollgepacktes Programm, von dem wir euch gerne heute ein bisschen mehr erzählen möchten.

Die großartigen Menschen, die sonst immer das wunderbare Reset Festival in Münster und Umgebung auf die Beine stellen, luden nämlich zu ihrer Veranstaltungsreihe Reset Landpartie – Die kulturelle Kaffeefahrt ein, raus aufs Land zu fahren und sich für einen Tag in bester Klassenfahrtmanier verschiedenste Darbietungen an interessanten Orten anzusehen und diese in intimer Atmosphäre zu erleben. Und da Tecklenburg schon seit Kindheitstagen einer meiner allerliebsten Orte ist und ich mir für einen entspannten Sonntag nichts besseres hätte wünschen können, habe ich die Einladung teilzunehmen natürlich dankend und mit großer Vorfreude angenommen und bin zusammen mit Kim und Martyn ins Abenteuer gestartet.

landpartie_1

So saßen wir also im Bus, wie damals als Schulkinder, mit unseren selbst zusammengestellten Proviantpaketen und all den Dingen, die wir für den Tag benötigten – total aufgeregt auf das, was uns erwarten sollte. Grob wurde das Programm bereits in der Veranstaltung bei Facebook und im Newsletter erklärt, allerdings ohne zu viel zu verraten, schließlich sollte ja noch die ein oder andere Überraschung im Laufe des Tages folgen.

Wilko Franz, der kreative und organisatorische Kopf hinter der Veranstaltungs-Reihe, hat uns kurz vor der Ankunft in Tecklenburg die Geschichte „Der kleine Wassermann“ von Ottfried Preußler vorgelesen, deren Sinn man sich erst später erschließen konnte und in erster Linie als kleiner Tipp diente, was uns noch erwarten würde. Man sollte viel öfter vorgelesen bekommen. Hach, Kinder, ihr habt’s echt gut. Never skip Lesestunden!

Dann sind wir auch schon am Haus Marck angekommen und bekamen in aller Kürze ein paar Fakten über die Geschichte des Anwesens vom Hausherren himself vorgetragen. Das westfälische Wasserschloss war von außen ebenso hübsch wie von innen und stellte so die perfekte Kulisse für die nun folgenden Programmpunkte dar.

Für einige war der Auftritt von Pascal Pinon im Rittersaal mit seinem prunkvollen Kronleuchter sicherlich eines der Highlights des Tages – kein Wunder, denn in dieser Atmosphäre das Konzert der beiden isländischen Zwillingsschwestern genießen zu dürfen, kommt einer großen Ehre gleich – besser kann es für einen Sonntag gar nicht laufen. Und dass die Band aus krankheitsbedingten Gründen in leicht abgeänderter Formation spielen musste, hat der ganze Sache überhaupt keinen Abbruch getan. Es war wirklich, wirklich schön. Man hätte ruhig ein paar Taschentücher reichen dürfen.

Auch wenn es im Raum total gemütlich war und ich am liebsten dort eingezogen wäre, freute ich mich ebenso auf den nächsten Punkt: Eine Nachtwanderung durch die Wälder Tecklenburgs. Wir sprechen hier immerhin vom Teutoburger Wald und damit das Erlebnis noch großartiger werden sollte, bekamen wir Fackeln in die Hand gedrückt und schwebten von nun an wie Irrlichter durch den dichten Wald und den über uns scheinenden Supermond. Ich erinnerte mich wieder an die Freizeitcamps und wie spannend ich das damals fand.

Der Weg führte uns ins Mausoleum der Adelsfamilie, wo auch schon die Schriftstellerin Beate Reker auf uns wartete und aus Gedichten zur Nacht vorlas. Ich hätte ihr stundenlang zuhören können. Aber weiter im Programm wartete auf uns nämlich der Besuch einer alten Holzmühle. In Kombination mit der Geschichte vom kleinen Wassermann von der Busreise und dem traditionelle Handwerk des Sägewerks war der kurze Stop eine spannende Station auf der Waldwanderung.

Fast wieder im Haus Marck angekommen, wo zum Abschluss noch das langersehnte Konzert von Peter Broderick stattfinden sollte, gab es noch eine Tanzeinlage von der japanischen Ballettänzerin Ako Nakanome zu sehen, wieder in einer liebevoll gestalteten Location auf dem Gelände des Anwesens, wie sollte es auch anders sein.

Wären wir auf einem regulären Konzert, würde man nun sagen, dass der Headliner des Abends die Bühne des Erfolgs betrat. Doch während sich in der gesamten Landpartie die familiäre Stimmung der Reisegruppe und die Programmpunkte zu einem großen Ganzen verwoben hat, musste selbst Peter Broderick eingestehen, dass er vom Gesamtkonzept dieses Ausflugs sehr angetan war.  So war das Konzert nicht nur ein weiteres Highlight in einer Kette großartiger kultureller Darbietungen, sondern leider auch schon der perfekteste Abschluss, den man sich nur in diesem Zusammenhang hätte vorstellen können.

Ich konnte dafür auch noch einen Platz direkt neben dem knisternden Kamin ergattern, was mir im Gesamten schon fast etwas zu kitschig erschien, aber es war richtig schön, ich muss mich da leider ein bisschen wiederholen. Schön, schön, schön. Traumhaft schön.

Das war er, der wohl atemberaubendste Sonntag in diesem Jahr. Kurz vor 22:00 Uhr befanden wir uns dann auch schon wieder in Münster und das erste, was ich zuhause gemacht habe, war mir ein paar Immobilien in Tecklenburg auf diversen Portalen anzusehen, haha. Ich kann es kaum erwarten – später, wenn ich alt bin – in meinem eigenen Fachwerkhaus im Ohrensessel zu sitzen und auf den Rest der Welt zu scheißen.

Ein paar Tage danach sehe ich das alles schon wieder etwas anders, also das mit dem Häuschen in Tecklenburg, aber dass es sich dank der Landpartie um den tollsten Sonntag des Jahres handelt, dabei bleibe ich.

Dankesehr an alle, es war ein wunderbarer Ausflug! <3

PS: Wer auch mal an einer Landpartie teilnehmen will, sollte sich via Facebook auf dem Laufenden halten, damit auch ihr beim nächsten Mal dabei sein könnt!
Total
20
Shares

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*