07.49   Nimmst du deine Regenjacke mit?
09.20   Bist du schon auf dem Weg?
09.22   Ja, bin ich! 😀

09.22   Wenn du schon auf dem Weg bist, muss ich mir was einfallen lassen. Okay, ich rufe meinen Bruder an. Müsste eigentlich im Bus sitzen. In 20 Minuten. Zwei Wecker nicht gehört.

Ein entspanntes Wochenende fängt irgendwie anders an. Schon gar nicht mit Verschlafen. Während ich also mit ein paar Sachen für die Reisetasche in der einen und meinem Handy in der anderen Hand ins Badezimmer renne, frage ich mich, warum nicht einmal alles glatt laufen kann. „Irgendwas ist immer“ scheint das ungewollte Motto meines Lebens zu sein. Da wird man schon mal eingeladen – in diesem Fall in das wunderschöne Parkhotel de Wiemsel — und dann läuft man Gefahr, dort mit ungewaschenen Haaren aufzuschlagen. My life in a nutshell.

Dag Nederland!

Dank meines Bruders und großzügig eingeplanten Puffern — ist ja nicht so, dass ich mich nicht kenne — sollte am Ende allerdings doch noch alles gut gehen. Ziemlich genau um 15 Uhr und damit ohne großartigen „Oh-in-NRW-haben-die-Sommerferien-angefangen“-Stau konnte ich unser kleines Familienauto auf dem Parkplatz des Hotels abstellen und witzelte mit Manon, wie wenig es zu den anderen Fahrzeugen passt. Frisch geduscht (ha!) und mit einigermaßen vollständigem Gepäck ging es also zum Check-In, der nicht nur reibungslos verlief, sondern auch den ganzen Stress der vorherigen Stunden mit einem Glas Sekt verpuffen ließ. Hallo Urlaub, ich bin bereit!

Hat jemand von euch schon mal etwas von Ootmarsum gehört? Ich bis vor ein paar Wochen nicht und das, obwohl das kleine Örtchen gerade einmal 90 Minuten Fahrt von meinem Zuhause liegt. Kurz hinter der Grenze und doch schon zu 100% Niederlande. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber als geborene Münsterländerin ist das Gebiet an der deutsch-niederländischen Grenze eine bunte Masse — beide Länder in einen Topf geworfen quasi. Das hat natürlich viele Vorteile, aber eben auch den Nachteil, dass die Niederlande für den Durchschnittsdeutschen oft erst in Holland anfangen. Am vergangenen Wochenende musste ich feststellen, wie schade das eigentlich ist.

Das Relais & Châteaux Parkhotel de Wiemsel

Zurück zum Örtchen Ootmarsum — dort befindet sich besagtes Hotel nämlich und das bereits seit 1978. Das dazugehörige Restaurant ist sogar noch zehn Jahre älter. 2015 wurde alles von Grund auf saniert und um große Parkanlagen erweitert, nachdem der deutsche Unternehmer Henning J. Claassen es gekauft hatte. Der musste nämlich 2014 feststellen, dass das Hotel, das er einmal jährlich für einen Kurzurlaub besuchte, insolvent, deshalb geschlossen und bereits verkauft war. Einige Monate später meldete sich der Insolvenzverwalter des Hotels und bat es ihm zum Kauf an, weil der eigentliche neue Eigentümer nicht gezahlt hatte. So kommt man halt in den Besitz seines Lieblingshotels — sofern man denn das nötige Kleingeld hat. Das habe ich zwar nicht, aber ich mag den Gedanken, sich etwas Liebgewonnes zu bewahren.

Im nächsten Schritt wurde also saniert. Manon und ich wussten nach ausgiebiger Recherche bereits grob, worauf wir uns einließen. Das Parkhotel de Wiemsel hätte wie viele neue oder frisch renovierte Unterkünfte sehr „clean“ werden können. Viel Weiß, viel Glas, viel Beton. Ist es aber nicht und das ist auch gut so. Auf Fotos liebe ich diese Art von Einrichtung ja, im echten Leben finde ich es oft zu steril — Lebendiges wirkt in solchen Räumen schnell wie ein unerwünschter Fremdkörper. In de Wiemsel, das 56 Zimmer unterschiedlicher Kategorien bietet, ist die Einrichtung klassisch, aber sehr hochwertig. Warme Farben, viel Echtholz und gemütliche Ecken laden zum Verweilen ein. Ein bisschen so wie ein Wohnzimmer, nur eben viel gediegener. (Ich kann kaum glauben, dass ich dieses Wort einmal in einem Blogbeitrag gebrauchen würde. Das trifft es halt aber eben auch genau.)

Hartelijk welkom!

So viel zu den harten Fakten, zurück zu unserer Erfahrung im Parkhotel de Wiemsel. Wir waren erstmal baff beim Anblick unserer Junior Suite. Ein normales Zimmer, vielleicht mit Balkon, hätte uns wohl auch gereicht. Davon einmal abgesehen sahen die Dachschrägen doch ziemlich gemütlich aus. (Es gibt halt nichts Besseres als Regen, der auf ein Dach prasselt, wenn man im Bett liegt.) Auf jeden Fall hatten wir ziemlich viel Platz zum Austoben, eine kleine Terrasse, frisches Obst, Tee, eine Sofaecke — mehr kann man sich eigentlich nicht wünschen. Außer vielleicht einer Regenwalddusche, aber selbst die gab es.

Die Doppelbetten sind riesig und bequem, deshalb zögerten Manon und ich nicht lange, unser Reiseoutfit gegen ebenso riesige weiße Bademäntel zu tauschen und einmal probezuliegen. Gesagt, getan, passt. Vielleicht doch erst noch ein kurzes Nickerchen? Ein Hotel kann ja echt schön sein, wenn die Betten unbequem sind, ruiniert das für mich die Chance auf Entspannung. Ich bin halt sensibel und Schlaf ist heilig! Nachdem wir uns ein bisschen häuslich eingerichtet hatten, wollten wir die Zeit zum Abendessen noch möglichst sinnvoll nutzen und haben das Schwimmbad getestet. Oh, hallöchen! Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal in einem Pool war und überhaupt — warum geht man nicht viel öfter schwimmen? Das Wasser sollten wir an diesem Wochenende noch ziemlich oft sehen, auch wenn es uns für den Außenpool doch etwas zu frisch war. Der hat übrigens Herzchenform.

Essen und Wellness und noch mehr Essen

Für Trips zu zweit ist das Parkhotel de Wiemsel geradezu prädestiniert, egal ob mit einer Freundin oder als Paar — selbst meinen Eltern würde ich einen Kurzurlaub dort empfehlen. Das machte sich auch beim großartigen Abendessen bemerkbar. Während Manon sich für den Fisch entschied, gab es für mich Pasta. Von der Weinkarte will ich gar nicht anfangen und in das Dessert wollten wir uns reinlegen. Wirklich. Wohlfühlfaktor 100. Auch das Frühstück glänzte mit hervorragender Auswahl und verleitete doch glatt dazu, uns ein wenig zu übernehmen. Eigentlich hätten wir auch noch mehr Fotos vom Essen gemacht, wie man das halt so macht, in der Atmosphäre erschien uns das jedoch unpassend. Wann ist es eigentlich normal geworden, jede optisch ansprechende Mahlzeit zu fotografieren?

Das Hotel hat nicht nur zwei Pools, sondern auch Sauna, Dampfbad, Solarium, einen Fitnessraum und einen Spa- und Wellness-Bereich. Eigentlich wollten wir unbedingt den Fitnessraum nutzen, am Ende ist es dann Yoga statt Laufband geworden. Im Schlafanzug. Auch okay. Während Manon die günstige Gelegenheit und das durchwachsene Wetter genutzt hat, um sich im Spa verwöhnen zu lassen, durfte ich mit dem Front Office Manager Rainier Veldboer sprechen, der Teil des Management-Team ist. Das Parkhotel de Wiemsel hat nämlich keinen Direktor, sondern ein dreiköpfiges Team, das Entscheidungen im Team trifft. Ich finde es immer wieder spannend zu hören, wie Dinge im Hintergrund ablaufen. Wir kamen auf die Geschichte des Hotels zu sprechen, aber auch auf das Örtchen Ootmarsum. Vor seiner Insolvenz hatte das Restaurant sogar einen Michelinstern — mittlerweile bekommt man dort aber nicht nur sehr gutes Essen, sondern auch faire Preise, die im bezahlbaren Rahmen liegen. Daumen hoch dafür!

Das sagt Manon übrigens über ihren Besuch im Spa:

„Der Spa-Bereich des Hotels bietet eine Vielzahl an Behandlungen, unter denen für jeden etwas dabei sein wird. Zwischen Massagen, kosmetischen Hautbehandlungen, Haarentfernung und Nagelpflege entschied ich mich für eine klassische Ganzkörpermassage von einer Stunde Dauer. Ich wurde sehr freundlich im hellen und sauberen Spa-Bereich empfangen und durfte es mir schließlich auf der (beheizten!) Massageliege bequem machen. Während Meeresrauschen und Delfingesänge die Massage akustisch untermalten, wurde mein Körper gekonnt durchgeknetet, bis ich den Alltag komplett vergessen konnte. Auch wenn die Massage größtenteils ohne Sprechen ablief (was für mich positiv ist), fand ich sehr angenehm, dass ich nicht das Gefühl hatte, wehrlos ausgesetzt zu sein und nicht zu wissen, was als nächstes passiert. Am Ende der Stunde verließ ich entspannt und eingeölt den Spabereich.“

Ootmarsum: 4500 Seelen und ganz viel Kunst

Eine Frage, die mir wirklich auf der Zunge brannte, war, wie ein kleiner Ort wie Ootmarsum so viele Galerien beherbergen kann — sie sollte nicht unbeantwortet bleiben. Der niederländische Maler Ton Schulten kommt aus diesem beschaulichen Örtchen und dank ihm haben sich dort noch viele andere Künstler angesiedelt. An jeder Ecke gibt eine kleine Galerien, überall finden sich Skulpturen und das alles auf engstem Raum ohne große Fuß- oder Radwege. Auch Ton Schulten selbst hat seine Galerie und ein Museum mitten in Ootmarsum. Dort ist es übrigens so aufgeräumt und schön, dass man das Gefühl hat, jeden Moment gegen eine Kulisse zu laufen, so wie bei der Truman Show, um Manon zu zitieren — aber eben im positiven Sinne. Dieser Ort ist wie gemacht für ausgedehnte Sonntagsspaziergänge oder kleine Radtouren.

Wir ließen es uns nämlich nicht nehmen, zwei Räder vom Hotel zu leihen und die Gegend auf eigene Faust zu erkunden. Stilecht wie Niederländer, oder eben Münsterländer. Die Nachbarschaft lässt sich halt nicht leugnen. Bier wird in Ootmarsum übrigens auch gebraut, Othmar heißt es, und direkt nebenan befindet sich das Freiluftmuseum. Dort wird gezeigt, die Bewohner der Region in den vergangenen Jahrhunderten gelebt haben. Irgendwie habe ich ja ein kleines Faible für so etwas, leider blieb keine Zeit mehr für einen Besuch, der steht jetzt auf der Liste fürs nächste Mal. Das kommt bestimmt! Für eine kleine Auszeit kann ich De Gouden Kruimel wärmstens ans Herz legen. Kuchen, Pralinen, Schokolade… Hier gibt es alles, was das Naschzahnherz begehrt und bei der Herstellung kann darf auch über die Schulter schauen. Wir haben Apfelkuchen, Zitronentarte und Schokoladentorte probiert und sind vielleicht im Anschluss aus dem Laden gerollt.

Vielen Dank und gerne wieder! ♡

Damit wäre eigentlich auch bereits alles gesagt. Wir haben uns sehr wohl gefühlt, einfach willkommen. Die Eleganz des Parkhotels gepaart mit niederländischer Gelassenheit ist wirklich nur schwer zu toppen — ich weiß genau, warum unsere Nachbarn so sehr mag. Der Blick über die Grenze muss manchmal nicht bis zum Meer gehen, schöne Flecken finden sich überall. Wer also überlegt, über das Wochenende wegzufahren und weder fliegen noch hunderte Kilometer fahren will, der sollte das Parkhotel de Wiemsel im Hinterkopf behalten. Für mich ist das Hotel eine ziemlich perfekte Mischung aus Qualität, Genuss, Wohlfühlen und Umgebung. Wenn man will oder falls das Wetter wenig einladend ist, kann man seine Zeit in der Unterkunft wunderbar verbringen, draußen gibt es aber auch genug zu entdecken.

Danke an das Team vom Parkhotel und an Wilde & Partner für die Einladung!

Parkhotel de Wiemsel
Winhofflaan 2
7631 HX Ootmarsum
Niederlande

Kontakt:
info@parkhotel-dewiemsel.nl
Tel.  0031 (0)541-791010

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