Letzten Monat ging es für mich und meine Freundin für ein paar Tage nach Krakau und wie ich im letzten Instagebuch bereits berichtet hatte, eignet sich die Stadt wunderbar für die Erweiterung des kulinarischen Horizonts und damit einhergehend auch eine Erweiterung des Bauchumfangs. Aber alles der Reihe nach.

Die Entscheidung für Krakau ist eher spontan in einem wilden Duell gegen Kopenhagen getroffen worden, entsprechend unvorbereitet sind wir auch auf unsere Reise gegangen. Aber als moderner Mensch bereitet man sich ja schnell auf sowas vor, kurz ein paar Freunde nach Tipps und Erfahrungen gefragt, den Krakau-Hashtag auf Instagram durchsucht und die wichtigsten Reiseführerprogrammpunkte rausgeschrieben. Im Flugzeug hatten wir dann wirklich auch noch kurz Zeit so einen kleinen Erwartungshorizont zu erschaffen – er sollte übertroffen werden (Eine kleine, wirre Fotosammlung findet ihr am Ende des Artikels.)

Im Gegensatz zu Warschau gilt Krakau als die romantisch verschlafene Kulturhauptstadt Polens und schon bei den ersten Routen durch die Stadt fühlt man sich an Stadtperlen wie Wien, Prag oder auch schonmal Münster erinnert. Die größte Besonderheit hierbei ist, dass die Stadt in den letzten Jahrhunderten keiner Verwüstung zum Opfer gefallen ist – alles ist einfach so herrlich pittoresk: die Straßen und Häuser, die kleinen Geschäfte und sogar diese dusseligen Pferdekutschen fügen sich zu einem malerischen Gesamtbild zusammen. Im Gegensatz dazu steht das jüdische Viertel Kazimierz. Während in der Altstadt der historische Schick gepflegt wird, gehen hier die jüdische Geschichte der Stadt zusammen mit einer jungen, urbanen Stadtkultur und einer Vielzahl von Kneipen, Shops und Restaurants eine spannende Gemeinschaft ein.

Krakau hat einfach unglaublich viele Facetten zu bieten und es lohnt sich auf jeden Fall mit ein wenig Zeit im Gepäck durch die Gassen zu schlendern und spannende Ecken zu entdecken. Denn im Prinzip macht das auch den größten Charme der Stadt aus und die schönsten Dinge fanden wir immer, wenn man einmal den Menschenmassen aus dem Weg gegangen ist und entspannt durch die Gegend schlenderte. Damit der Artikel hier nicht in endlose Schwärmereien ausartetet und auch einen gewissen Mehrwert zu bieten hat, gebe ich euch hier noch ein paar DOs und DON’Ts für ein paar aufregende Tage in Krakau mit auf den Weg.

DO:

  • Wie in vielen europäischen Städten gibt es auch in Krakau die sogenannten Free Walking Tours bei denen ihr erst im Anschluss der Tour entscheidet, wieviel (in diesem Fall) Zloty euch das Programm wert war. Die beste Möglichkeit um einen schnellen Überblick über die Stadt und ihre Sehenswürdkeiten zu erhalten.
  • Das Museum of Contemporary Art (MOCAK) in Krakau hat eine schöne und abwechslungsreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst. Wie viele andere Austellungen der Stadt ist hier an einem Wochentag freien Eintritt. Informiert euch und genießt Kultur in der ganzen Stadt.
  • Biertrinken ist sicherlich ein Highlight überall in Polen. Die Preise sind verflucht günstig und damit schmeckt das Bier umso besser. In Krakau gibt es dafür ganz viele Kellerkneipen. Eine besondere ist das Cybermachina Game Pub, denn hier könnt ihr euch an unzähligen Brett- und Videospielen austoben, während ihr euch durch die Getränkekarte trinkt.
  • Freunde von englischsprachigen Büchern schauen bitte einmal bei Massolit Books & Café vorbei. Hier gibt es eine große Auswahl neuer und gebrauchter Bücher, vor allem aus dem wissenschaftlichen Bereich – aber auch Romanfreunde werden hier sicher fündig.
  • Escape Games machen mittlerweile in Europa eine riesige Welle und so gibt es natürlich auch in Krakau Räume aus denen man sich befreien muss. Vorteil in Karkau ist, im Gegensatz zu Westeuropa ist der ganze Spaß hier wenigstens spontan bezahlbar. Ihr könnt ja probieren unsere Zeit von 1:20 Stunden in der Maya-Welt zu schlagen!
  • Ein wichtiger Bestandteil von Urlauben sind ja Souvenirs, hier empfehle ich euch, euch mit polnischem Porzellan einzudecken. Irgendwann stellt sich sicher die Frage, wie man das alles im Handgepäck verstauen soll, aber spätestens zu Hause merkt man, dass sich dieser Stress gelohnt hat.
  • Für die kulinarischen Hinweise könnten man sicher einen ganzen eigenen Artikel verfassen, dennoch probiere ich mich kurz zufassen und lieber zu verlinken. Allgemein muss man festhalten, dass die Küche dort sehr reichhaltig und deftig ist, die Preise dafür sind jedoch in der Regel weit unter deutschem Preisniveau und bisweilen unfassbar preiswert – Los geht’s: Alchemia (unser absolutes Highlight – geht einfach hin), Kolanko No 6 (superfrisches Frühstücksbuffet für 5 Euro pro Person – noch Fragen?), Youmiko (eine der besten Sushi-Bars in der ich seit Jahren gegessen habe – unbedingt reservieren da max. Platz für 15 Personen), Moa Burger (Hamburger in diversen Variationen und in unverschämter Größe), Marchewka z Groszkiem (polnische Küche für einheimisches Publikum – schmeckt noch besser als in den Touristenrestaurants) und als Klassiker sollte man unbedingt am Plac Nowy ein paar Zapiekanki essen gehen.
  • Ein absoluter Geheimtip ist High Fidelity – ein „Plattenladen“ benannt nach dem Plattenladenklassiker in Film- bzw. Buchform. Klingt unglaublich durchschnittlich, doch die Sache hat es in sich. Sagen wir mal so, stellt euch auf seltsame Momente, seltsame Öffnungszeiten und viele Gespräche ein …achso und Schallplatten gibt es natürlich auch.

DON’T:

  • Eigentlich haben wir gar nicht so viele Dinge erlebt, die man unbedingt meiden sollte. Auf jeden Fall sollte man nicht erwarten vom Rathausturm eine gute Aussicht zu haben. Das funktioniert einfach nicht, man ärgert sich allerhöchstens, warum man nicht auf den Turm der Marienkirche gestiegen ist wenn er schonmal offen war.
  • Auch meiden sollte man ein Großteil der Geldautomaten. Die meisten Banken haben keinen guten Wechselkurs. Probiert einfach so viel wie möglich mit der Karte zu zahlen, das ist in den meisten Fällen auch eher die Regel als die Ausnahme.
  • Ein großes Problem bekommt man wenn man probiert seine vegane Ernährung durchzuhalten. Restaurants sind darauf kaum vorbereitet und vegane Produkte im Supermarkt werden zum Großteil aus dem Ausland importiert und kosten das teilweise das 5- bis 10-fache ihrer tierischen Gegenstücke.

1 comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*