Wenn es draußen wieder früher dunkel wird und der Wind die ersten Blätterberge durch die Gassen weht, dann muss man der Tatsache ins Auge sehen: der Herbst macht sich breit und vertreibt mit seiner ganzen Pracht die letzten Cargoshorts aus den Fußgängerzonen. Während die Natur zum großen Farbenspiel aufruft und sich Vater, Mutter, Kind endlosen Herbstspaziergängen hingeben, vergraben wir uns in den Abendstunden mit einer heißen Tasse Tee unter unserer Kuscheldecke in Opas Ohrensessel. So genießen das letzte Drittel des Jahres vor dem Kamin (Vorsatz für 2017: Kamin kaufen).

Natürlich ist ein solcher Abend erst mit der passenden musikalischen Untermalung perfekt – denn genauso wie der liebliche Geruch eines warmen Kakaos gehört auch das Knistern des Plattenspielers zum gelungen Ausklang eines idealen Herbsttages. Damit ihr euch aber nur mit schönen Klängen den Abend versüßt, habe ich durch die aktuellen Vinyl-Releases gestöbert und bin bei den isländischen Zwillingsschwestern Jófríður und Ásthildur Ákadóttir hängen geblieben, die unter dem Namen Pascal Pinon schon seit 2009 mit ihrer Musik für Aufsehen sorgen. Das Album „Sundur“ ist der nunmehr dritte Langspieler der Schwestern und erschien Mitte August auf dem Berliner Independent-Label Morr Music.

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Auf „Sundur“ zeichnen sie musikalische Traumwelten, die den Hörer mit einer ungeahnten Tiefe in ihren Bann ziehen. Die minimalistische Instrumentalisierung die sich größtenteils im Spielfeld von Klavier, Harmonium oder einer Vielzahl elektronischer Tasteninstrumente bewegt, erschafft einen Soundteppich der tiefer ist als jeder Ozean und mindestens genauso geheimnisvoll. In Kombination mit dem zarten und engelsgleichen Stimmen von Jófríður und Ásthildur entstehen einzigartige und zerbrechliche Popsongs, die eine hypnotisierende Wirkung haben und einen gebannt an den Plattenspieler fesseln. In ihrer Gesamtheit lässt sich Pascal Pinons Musik im Bereich von Electronica-Lo-Fi, Neo-Klassizimus, Dream-Pop und Indie-Folk verorten und springt dabei fröhlich zwischen diesen Genre-Fix-Punkten wie die Finger über die Tasten des Klaviers.

Als die beiden Schwestern im Jahr 2010 ihr Debüt veröffentlichten, waren sie gerade einmal 14 Jahren alt und haben dennoch alles in Eigenregie produziert und sind seit jeher unzertrennlich mit ihrer Musik verbunden. Nun sechs Jahre später waren sie das erste Mal in ihrem Leben räumlich getrennt (Ásthildur studiert klassisches Piano in Amsterdam – Jófríður tourt mit diversen Bandprojekten um die Welt) und verarbeiten auf „Sundur“ ihre Gefühlswelt zwischen Alleinsein und Erwachsenwerden – der Albumtitel ist passend dazu dem isländischen Sprichwort „sundur og saman“ entliehen, was sich mit „außeinander und zusammen“ übersetzen lässt.

Dabei ist die Platte keinesfalls als klassisches Coming-Of-Age-Album zu verstehen, sondern dokumentiert auf intime Art und Weise den musikalischen Entwicklungsprozess von Pascal Pinon. In Zusammenarbeit mit ihrem Vater, dem isländischen Komponisten Áki Ásgeirsson, wurde das Album binnen zwei Tagen im Studio eingespielt und schafft trotz all seiner musikalischen Reduktion ein wohliges Gefühl von Wärme und Vertrautheit. So erwarten den Hörer filigrane und charmant arrangierte Sound-Miniaturen, in denen die beiden Damen die Rolle der Hauptfigur der Geschichte übernehmen.

Natürlich wissen es isländische Musiker mit am besten, wie man den perfekten Soundtrack für den Herbst schreibt, denn im Prinzip muss man sich dort ja das ganze Jahr über mit stürmischem Wetter und überproportional vielen Stunden der Dunkelheit  rumschlagen – hierzu kann auch die liebe Kim ein paar spannende Geschichte erzählen. Damit auch ihr schnellstmöglich in den Genuss dieses wundervollen Albums kommen und die nächste Runde Tee mit Freunden bei großartigen Songs genießen könnt, möchten wir euch ohne Umschweife direkt zu unserem Plattendealer des Vertrauen weiterleiten. Dieser heißt nicht nur wegen seiner großartigen Auswahl Finest Vinyl, sondern wird darüber hinaus auch von durch und durch feinen Menschen am Laufen gehalten.

Die Jungs und Mädels von Finest Vinyl haben über 15.000 LPs auf Lager und lassen mit ihrem Online-Angebot die Herzen von Musikfans höher schlagen. Dabei ist es egal ob du Indie-Folk, Skate-Punk, Alternative-Rock, Heavy-Metal oder Hip-Hop dein Steckenpferd nennst – für jeden Musikgeschmack hat die Crew aus Solingen ein paar heiße Teile im Stall stehen. Darüber hinaus haben sie uns das wundervolle Album von Pascal Pinon zur Präsentation auf THIS IS FOR ART LOVERS zukommen lassen und was sollen wir anderes sagen als: wir sind verliebt. Nicht nur in die elf wundervollen Indie-Folk-Lo-Fi-Hymnen auf „Sundur“, sondern auch in die Platte an sich.

Diese kommt auf tiefschwarzem Vinyl mit sattgrünem Label daher und passt perfekt zur Aufmachung des Albums. Auf dem Cover Jófríður und Ásthildur – nordisch kühl porträtiert – das passende Gegenstück dazu auf der Rückseite, inklusive stilvollen Playlist-Handlettering. Die Innenhülle ist beidseitig mit den Songtexten versehen, was vor allem bei den isländischen Titeln „Skammdegi“ und „Ást“ einen sinnvollen Mehrwert für die Auffrischung des Fremdsprachenvokabulars darstellt. Mit einem liebevoll gestalteten Download-Code-Kärtchen wird das Gesamtangebot ideal abgerundet, denn so könnt ihr euch die Gänsehautmomente des Album auch auf eure mobilen Geräten packen, bei Zugfahrten verträumt aus dem Fenster schauen und euch in die unendliche Weite Islands träumen.

Mit „Sundur“ haben Pascal Pinon das wahrscheinlich ehrlichste und intimste Album des aktuellen Jahres veröffentlicht. Songs wie die fast schon beängstigend dröhnende Ballade „Babies“ und das vorsichtig treibende Instrumental-Stück „Spider Light“ versprühen eine einzigartige happy-sad Euphorie, während der Opener „Jósa & Lotta“ quasi als Titel-Song für eine etwaige Filmbiografie über die beiden Schwestern dienen könnte.

Setzt heißes Wasser für einen wärmenden Tee auf und schaut vor dem Fenster dem Laub beim Fallen zu. Am besten packt ihr kurz davor noch euren digitalen Einkaufswagen bei Finest Vinyl mit schicken Platten voll – Pascal Pinons „Sundur“ sollte dabei jedoch auf keinen Fall fehlen.

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