Mit dem Laub von den Bäumen fallen auch meist die letzten Energiereserven des menschlichen Immunsystems dem Boden entgegen und die „Apotheken Rundschau“ buhlt mit den „100 besten Hausrezepten gegen Erkältung“ um die Aufmerksamkeit der Betroffenen. Erst wenn man mal so richtig verschnupft durch die Gegend stolpert, merkt man wieder, wie anstrengend die Mitbürger sein können. Generell neigen Menschen zum Jahresende auf wundersame Art und Weise dazu, einem auf die Nerven zu gehen.


Die Menschheit als Plage – wir finden sie in den unterschiedlichsten Formen. Verstopfte öffentliche Verkehrsmittel in den Großstädten, kilometerlange Staus auf den Autobahnen und die stetig steigende Nachfrage nach Wohnraum in den Städten. Auch für die Natur ist der Mensch in seiner Gesamtheit nicht immer angenehm und bisweilen eine echte Bedrohung. Von der Überfischung der Weltmeere und dem Abschmelzen der Gebirgsgletscher bis hin zur Zerstörung des Regenwaldes oder der ständigen Bedrohung durch atomare Schieflagen greift er immer wieder in den Kreislauf der Natur ein.

Die unberührte Wildnis scheint nur noch in den Geschichten unserer Vorfahren zu existieren und dennoch schafft es die Band Hundreds sie mit ihrem Album „Wilderness“ in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen. Denn Anfang November erschien das nunmehr dritte Album des Hamburger Duos auf dem Berliner Label Embassy of Music.

Hinter Hundreds steckt das Geschwisterpaar Milner, welches seit ihrem Debüt-Album fester Bestandteil der heimischen Synthie-Elektronica-Szene ist. Doch bei den Milners handelt es sich um mehr als eine weitere Familienband à la Jackson Five oder Tegan and Sara. Eva und Philipp Milner sind darüber hinaus stolze Besitzer eines umgebauten Bauernhofs im Wendland und somit wahre Experten ins Sachen Wildnis. Nachdem sie den Hörer mit Album Nummer zwei bereits in einen tiefen und teilweise undurchdringlichen Wald aus melancholischen Texten und düsteren Melodien geschickt haben, zeichnen die zwei auf „Wilderness“ eine dystopische Soundlandschaft die zum Staunen und Verweilen einlädt. Die verträumt poppige Songs aus dem Jahr 2010 sucht man in dieser Welt zwar nicht vergebens, dennoch haben sie sich äußerst rar gemacht.

„Brachial, vielschichtig und ungewöhnlich komplex.“

 

Insgesamt ist das Album ein unberechenbares und sperriges Gesamtwerk geworden. Auf gängige Intro-Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Refrain-Outro-Strukturen wurde dabei fast vollkommen verzichtet und auch in Sachen Spieldauer bewegen sich die 11 Songs mit ihren  fast 50 Minuten eher im Bereich „Rock-Oper“ als „Chart-Breaker“. Brachial, vielschichtig und ungewöhnlich komplex sind die bisweilen ausufernden Arrangements der Geschwister Milner. Schon mit dem Titelsong „Wilderness“ wird der vermeintlich erstrebenswerte Rückzugsort der Wildnis, zu einem bedrohlichen und undurchsichtigen Lebensraum für den Menschen. Auch im weiteren Verlauf des Albums stehen die Zeichen auf Aufruhr und die sicheren Ufer der konventionellen Popmusik weichen denen eines stürmischen Meers aus kraftvollen Beats und eindringlichen Vocals.

Auch wenn das Duell Mensch vs. Natur die treibende Feder hinter den Stücken ist, stellt das dritte Werk von Hundreds kein Konzept-Album im klassischen Sinne dar. Es zeigt sich vielmehr als experimentierfreudiges Zusammenspiel aus detailverliebten Pop-Kleinoden und mutig treibenden Electroica-Brechern, die sich in purer Spielfreude zu einem einzigartigen Meisterwerk vereinen. So fangen einen die Songs auf „Wilderness“ in heimischer Vertrautheit auf und stoßen den Hörer mit ihren unerwarteten Wendungen immer wieder aus der persönlichen Komfort-Zone heraus. Ein durch und durch spannender Konflikt aus unsicherem Neuen und bekannter Vertrautheit, der auch auf Albumlänge nach mehreren Durchgängen zu überzeugen weiß.

Fest steht, auf ihrem neuen Album präsentieren sich Hundreds als eine der charakterstärksten Säulen der heimischen Musiklandschaft. Der Ausflug in die Wildnis zusammen mit den Geschwistern Milner ist ein absolutes Muss für jeden Freund experimenteller elektronischer Musik, die mit ihrer organischen Schönheit zum Träumen und Fürchten einlädt. Deswegen legen wir euch einen Besuch beim Fachhändler nahe und hoffen dass sich „Wilderness“ bald schon auf euren Plattenspielern drehen wird. Damit ihr euch bei diesen miesen Witterungsverhältnissen nicht auf die gefährliche Reise durch die Fußgängerzonen machen müsst, haben wir eine großartige Alternative für euch: Finest Vinyl.

Das Team von Finest Vinyl ist unser Plattendealer des Vertrauens und stattet uns mit der perfekten Musik für unsere Vinyl Vacation aus. Kein Wunder, dass wir gemeinsame Sache machen, denn dank des umfangreichen Online-Angebotes werden alles musikalischen Vorlieben bedient, die sich in den Genre-Kategorien der Musikpresse so tümmeln. Von Post-Punk bis Klassik und von Electronica bis Singer-Songwriter ist alles nur wenige Mausklicks entfernt. Da in Zeiten des Internets Öffnungszeiten quasi obsolet geworden sind, könnt ihr jederzeit auf die über 15.000 Platten des Bestandes zugreifen und eure Sammlung bereichern.

Wie auch bei der letzten Ausgabe der Vinyl Vacation – als wir mit Pascal Pinon in die Schönheit Islands abtauchten – hat uns auch dieses Mal wieder Finest Vinyl unter die Arme gegriffen und uns ein Exemplar von Hundreds „Wilderness“ zukommen lassen.

„Alles in Allem ist die Wildnis, in die uns die Hamburger entführen, nicht nur ein akustisches, sondern auch ein haptisches Erlebnis der Oberklasse.“

 

Das Album kommt als Doppel-Vinyl in stilvoller Gatefold-Hülle daher und präsentiert sich in einer reduzierten schwarz-weiß Optik. Zusätzlich liegt den beiden tiefschwarzen Scheiben auch eine CD-Version des Albums bei, mit der ihr so quasi auch euer Auto- bzw. Küchenradio ausstatten könnt. Der ebenfalls mitgelieferte Download-Code verschafft euch nicht nur Zugang zu den 11 Songs des Albums, sondern liefert euch darüber hinaus auch noch 6 weitere Bonus-Titel für die heimische Mediathek – darunter spannende Remixe von Robot Koch oder Tour-Schlagzeuger Florian Wienczny. Die Innenhüllen sind umseitig mit den Songtexten versehen und passen sich auch optisch ideal ins Gesamtbild ein.

Alles in Allem ist die Wildnis, in die uns die Hamburger entführen, nicht nur ein akustisches, sondern auch ein haptisches Erlebnis der Oberklasse. Als besondere Dreingabe, bekommt ihr mit der Vinyl-Version auch noch einen monochromen Poster-Print mitgeliefert.

Also, macht es euch auf eurer Couch bequem, taucht in die wunderbare Welt der Geschwister Milner ein und packt bei Finest Vinyl ein paar frische Platten in den Korb – und mit Hundreds „Wilderness“ bekommt ihr eine besondere Herzensempfehlung von uns.

Total
17
Shares

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*